Reisebericht

Whalewatching in Kaikoura

Kaikoura liegt an der Ostküste der neuseeländischen Südinsel und war nach Picton unser zweiter Stop dort. Kaikoura ist Maori für „Langusten Essen“ und alle Attraktionen hier drehen sich um lebendige, gekochte oder gegrillte Meerestiere. Bis in die Mitte des letzten Jahrhunderts hinein wurden im Meer bei Kaikoura Buckelwale gefangen und in Kaikoura zerlegt. Zum Glück wird das heute nicht mehr gemacht. Stattdessen ist Whalewatching jetzt die Hauptattraktion.

Wir haben an so einer Whalewatching-Tour teilgenommen. Vorher sind wir in die Apotheke gegangen und haben uns den „Kaikoura Cracker“ geholt, einen Cocktail aus verschiedenen Medikamenten gegen Seekrankheit und Koffein. Dann wurden wir mit einer Menge anderer Passagiere in ein ziemlich schnelles und modernes Boot geladen, und die Crew des Bootes versuchte, per Unterwassermikrofon einen Wal ausfindig zu machen.

Bei Kaikoura verläuft wenige Kilometer vor der Küste ein Meeresgraben. Dort im kälteren Wasser leben viele Kalmare, die wiederum die Buckelwale anziehen. Deshalb haben von Kaikoura aus startende Whalewatching-Ausflüge generell eine sehr hohe Erfolgsquote. Nach wenigen Minuten wurde uns auch gesagt, dass ein anderes Boot der Whalewatching-Flotte einen Wal gefunden hatte und wir sind mit 60 km/h dorthin gerast. Für ein Wasserfahrzeug ist das eine ziemlich beeindruckende Geschwindigkeit. Als wir ankamen, war der Wal noch dabei, an der Oberfläche Luft zu holen.

Whalewatching

Zuerst konnten wir fast nichts sehen, da der Wal ja im Wasser liegt und man vom Boot aus sehr flach auf die Wasseroberfläche blickt. Man sieht hauptsächlich den Blas, also die Fontäne aus ausgeatmeter Luft und Wasser. Als wir näher herankamen, konnten wir aber die Umrisse des Wals erkennen und uns durch den Vergleich mit dem zweiten Boot auch eine Vorstellung von der Größe des Wals machen.

Beeindruckendes Tier

Nach wenigen Minuten tauchte der Wal wieder ab und unsere Begegnung mit diesem imposanten Meeresbewohner war erst mal vorbei. Der Captain beschloss, darauf zu warten, dass der Wal wieder auftaucht, damit wir ihn nochmal für eine längere Zeit beobachten können. Pottwale sind aber etwas besser im Luftanhalten als Menschen und können gut und gerne mal eine Halbe- bis Dreiviertelstunde unter Wasser bleiben.

Glücklicherweise hatten sich aber schon einige Albatrosse um unser Boot versammelt. Die kreisen wohl gerne um Boote, weil bei Fischerbooten oft Abfälle über Boot geworfen werden, die ihnen eine kostenlose Mahlzeit bescheren. Auch wenn sie bei uns leer ausgingen, bekamen wir eine erstklassige Flugshow zu sehen.

Albatross beim Start.

Angeber.

Nach etwa 40 Minuten kam der Wal dann auch wieder an die Oberfläche, und wir konnten ihn für weitere 10 Minuten beim Luftholen beobachten. Schließlich tauchte er wieder ab. Ein abtauchender Wal ist ziemlich spektakulär, weil er nicht einfach in horizontaler Lage absinkt, sondern den Kopf voran abtaucht und seinen Körper der Länge nach in die Vertikale bringt. Am Schluss kann man dann besonders gut die Schwanzflosse sehen.

Das Bild, für das ich hergekommen bin.

Danach sind wir wieder zurück nach Kaikoura geschippert. Wir waren sehr froh, diese Begegnung mit dem Wal gehabt zu haben.

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Picton

Neuseeland besteht hauptsächlich aus zwei Inseln: der Nordinsel, auf der der Großteil der Bevölkerung lebt und die beiden wichtigsten Städte Auckland und Wellington liegen; sowie der Südinsel, auf der zwar weniger Menschen leben, die aber für ihre besonders spektakuläre Natur berühmt ist.

Um von der Nordinsel auf die Südinsel zu gelangen, kann man entweder fliegen oder in Wellington an Bord einer Fähre gehen. Diese Fähre bringt einen dann nach Picton, das im Norden der Südinsel im Ende des Queen Charlotte Sound liegt. Eigentlich würde man hier ein reines Transitstädtchen erwarten, in dem die Fährpassagiere in Mietwagen oder Züge umsteigen. Wir haben uns aber entschieden, genauer hinzusehen und 3 Tage in Picton zu verbringen.

Das Hostel Sequoia Lodge war mit Abstand das schönste Hostel, in dem wir in Neuseeland gewohnt haben. Besondere Highlights waren die Hot Tub und der Chocolate Pudding mit Vanilleeis, den es jeden Abend kostenlos gab. Interessanterweise hat Felix mit dem Hostel, in dem er ein paar Wochen später in Picton abgestiegen ist ähnlich positive Erfahrungen gemacht. In Picton Rast zu machen ist also in jedem Fall eine gute Idee!

Picton liegt in der Region Marlborough, einem der wichtigsten Weinanbaugebiete Neuseelands. Hier konnte ich dann endlich das nachholen, was ich in Chile leider nicht geschafft habe: an einer Weinverkostung teilzunehmen. Jetzt bin ich persönlich ja eher Cabernet Sauvignon- und Shiraz-Trinker, Marlborough ist aber für seine Weißweine berühmt. Das war also nicht nur meine erste Weinverkostung, sondern ich habe gleichzeitig auch gemerkt, wie vielfältig Weißweine sein können.

Weinbau bei Nelson.

Ich habe eine organisierte Tour von Picton aus gebucht und wurde von einem Kleinbus abgeholt. Den Bus fuhr eine Dame mittleren Alters, der man ansehen konnte, dass sie schon lange eine Leidenschaft für’s Weintrinken hat. Sie fuhr mich und die anderen Teilnehmer der Tour von Weingut zu Weingut und sah uns zu, wie wir uns durch Sauvignon Blancs, Chardonnays, Rieslinge und Gewürztraminer probierten, ohne selber einen Tropfen trinken zu dürfen. Als sie sich bei einem der Weingüter dann eine Flasche für Zuhause kaufte, fragte ich mich, ob sie das bei jeder Tour macht. Wenn ich ihren Job hätte, würde ich das glaube ich machen.

Bester Ort zum Weintrinken.

Mir hat die Tour viel Spaß gemacht, ich habe mich gut mit den anderen Teilnehmern unterhalten und wie das auf Alkoholverkostungen immer so ist wird das Ganze mit zunehmender Stunde immer lustiger. Ich bin was Neuseeländischen Weißwein angeht auf den Geschmack gekommen und habe mir im weiteren Verlauf der Reise noch die ein oder andere Flasche gekauft.

Am nächsten Tag stand dann noch ein Highlight an. Julia und ich haben eine Segeltour im Queen Charlotte Sound gebucht. Wir wurden morgens von Leslie, unserer Gastgeberin im Auto angeholt und in den Yachthafen gefahren, wo ihr Ehemann Les schon dabei war, die Yacht Anzak vorzubereiten. Bei Les und Leslie (ja, wirklich!) haben wir uns sehr willkommen gefühlt und den wunderschönen, sonnigen Tag auf dem Meer genossen.

Beide sind offiziell im Ruhestand und machen die Yachttouren als Nebenjob, um den Unterhalt für das Boot aufbringen zu können. Les ist Lebenskünstler und hat schon fast jeden Job gemacht, den es gibt (viele davon auf einem Schiff), und Leslie war Polizistin in Alaskas größter Stadt Anchorage. Das Boot haben sie auf den Virgin Islands gekauft, in Florida hochseetauglich aufrüsten lassen und dann durch den Panamakanal und über verschiedene polynesische Inseln nach Neuseeland gesegelt. Die gesamte Reise hat 18 Monate gedauert. Die Beiden hatten entsprechend viel zu erzählen und so wurde es auch bei Flaute nie langweilig.

Unser privates Segelboot für einen Tag.

Im Queen Charlotte Sound wurden wir an zwei Anlegestellen abgesetzt. Unser erster Stop war die Ship Cove, wo ein Monument daran erinnert, dass Captain Cook 1770 hier ankerte um seine Vorräte aufzufüllen. Von dort haben wir einen kleinen Bushwalk zu einem Wasserfall gemacht.

Wasserfall in der Nähe des Queen Charlotte Sound.

Danach haben wir an einer Insel halt gemacht, die ein Reservat für bedrohte Vogelarten ist. Auf einem kurzen Bushwalk haben wir den Hügel im Zentrum der Insel bestiegen. Auf dem Weg dorthin standen immer wieder Pinguin-Brutkästen am Wegesrand, die mit einem Klappdeckel zum hineinschauen versehen waren. In einigen dieser Brutkästen waren tatsächlich Pinguinbabys – die stanken zwar furchtbar, Julia war aber trotzdem hin und weg.

Leslie hat uns auf der ANZAK noch ein ausgezeichnetes Mittagessen samt Weißwein aus der Region serviert. Auf dem Rückweg durfte ich das Steuer des Boots in die Hand nehmen (Les gab mir sogar seine Kapitänsmütze). Abends gegen halb acht waren wir dann schließlich wieder am Yachthafen – 3 Stunden später als auf der Tourbeschreibung angegeben – aber wir hatten alle viel Spaß und haben den Tag genossen.

Julia und mir hat es so gut gefallen, dass wir beide beschlossen haben, nächstes Jahr den Segelschein zu machen. Der Ausflug war mein unerwartetes Highlight in Neuseeland. Manchmal hat man einfach Glück.

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